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Als Frieden möglich war

Von Jürgen Haberl und Claudia Kohlus

 

     Man stelle sich folgendes Szenario heute vor: Zwei sich feindlich gegenüberstehende Religionsströmungen finden sich zusammen, um einen Vertrag über ihre friedliche Koexistenz festzulegen. Was aus heutiger Sicht kaum vorstellbar scheint, wurde schon vor 450 Jahren, am 25. Sept. 1555, im so genannten "Augsburger Religionsfrieden" erstmals in großem Rahmen und für große Teile Europas ratifiziert. Der Friedensvertrag stellt die Entschärfung des religiösen Konfliktes dar - und dokumentiert eindrucksvoll dessen weltliche sowie dauerhafte Kompromisslösung.

     Neben dem jährlichen "Friedensfest", einem auf Augsburg in Bayern begrenzten Feiertag, der als einziger auf der Welt den Frieden als Auftrag begreift, feiert die Stadt nun das 450-jährige Jubiläum unter dem Motto "PAX 2005" mit mehr als 200 Veranstaltungen und einer umfassenden Ausstellung. Es geht dabei um Themen wie das Zusammenleben zwischen den Religionen heute, besonders auch um die Frage, welche Rolle das Religiöse für den globalen Terrorismus spielt. Dieser Frage stellen sich Konflikt- und Terrorforscher, sowie Sozial- und Religionswissenschaftler in einem internationalen Symposium.

     Die geschichtlichen Hintergründe und Zusammenhänge des Religionsfriedens von 1555 beleuchtet die Ausstellung "Als Frieden möglich war" im Augsburger Maximiliansmuseum vom 16.06. bis 16.10.2005. Erwähnenswert hierbei ist, dass erstmals Exponate aus Staatsarchiven und renommierten Museen wie z. B. dem Metropolitan Museum in New York, dem Louvre in Paris und der Royal Collection in London unter der Schirmherrschaft des deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler in dieser Form gezeigt werden.

     Hintergrund der Ausstellung ist zum einen die Situation in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, mit seinen Kriegen um die Macht in Europa und den Kolonien in Amerika, seinen politischen und religiösen Konflikten und der Versuch um eine Lösung durch den Augsburger Friedensvertrag. Zum anderen liefert die Ausstellung einen Blick auf die weiteren Entwicklungen in Europa unter dem Einfluss des Vertrages. Seine absichtliche Missdeutung, bis hin zum 30-jährigen Krieg und dem darauf folgenden "Westfälischen Friedensvertrag" (1654), der sich explizit auf die Kernaussagen des Augsburger Friedens beruft, wird zur Abrundung der Ausstellung mit angeführt.

     Als Kaiser Karl V. 1519 die Macht im "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation" als Monarchia universalis (Allein-, Universalherrschaft) übernahm, erstreckte sich sein Herrschaftsanspruch über weite Bereiche Europas bis hin zu Kolonien in Amerika. In seine Regierungszeit fielen insgesamt acht Kriege gegen Frankreich um den Machtanspruch in Europa und die stetige Bedrohung durch das Osmanische Reich, deren Truppen 1529 bis vor die Tore Wiens drangen und erst dort von ihm zurückgeschlagen werden konnten. Außerdem galt sein Kampf der durch Martin Luther ausgelösten Reformation und der daraus resultierenden Bildung des Protestantismus. Um die innere Ruhe im Reich herbeizuführen, versuchte der Kaiser diesen eigentlich geistlichen Konflikt durch einen politisch erreichten Religionsfrieden zu manifestieren.

     Sieben Monate dauerte dieses zähe Ringen um den weltlichen Frieden. Vertreter Kaiser Karl V., den katholischen und den protestantischen Reichsständen handelten ein Gesetz aus, das das Zusammenleben im Reich trotz unterschiedlicher Glaubensauffassungen sichern sollte. Mit dem Augsburger Religionsfrieden, der am 25. Sept. 1555 auf dem Augsburger Reichstag unterzeichnet wurde, war dies gelungen. Daraufhin begann eine Phase der inneren Ruhe in Europa. Der Status quo war endlich festgelegt. Jahrzehnte später erst stellten sich die Kompromisse und Defizite im Friedensschluss als fatal heraus. Die Grundideen des Augsburger Religionsfriedens wurden missbraucht und die daraus resultierenden konfessionellen Konflikte gipfelten im 30-jährigen Krieg, der Anfang des 17. Jahrhunderts weite Teile Europas zerstörte und weitgehend entvölkerte. Ein weitreichenderer Friedensvertrag wurde notwendig und 1654 durch den "Westfälischen Friedensvertrag" auch unter Berufung auf die Augsburger Beschlüsse geschlossen.

     Die übersichtlich und klar strukturierte Ausstellung gibt mit ihren weit über 300 Exponaten einen kurzweiligen und stimmigen Einblick in diese Epoche, die auch heute noch diese für Europa und die USA so wichtige Thematik behandelt. Um den Anspruch der auch zahlreich aus den USA vertretenen Besuchern gerecht zu werden, ist die Ausstellung zweisprachig in deutsch und englisch konzipiert.



© 2006 All content property of European Weekly unless where otherwise accredited

 

 

 


 

 

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